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Politische Erziehung in den 1950er Jahren

Im Jahr 1958 war es bei einer Wahlkampfveranstaltung der „Deutschen Partei“ (DP) in Marburg zu einem Vorfall gekommen, der große öffentliche Aufregung in der Stadt nach sich zog. Einige Schüler des Gymnasium Philippinum hatten die Veranstaltung verlassen, als dort die erste Strophe des „Deutschlandliedes“ angestimmt wurde. In den folgenden Tagen und Wochen wurden diese Schüler in einer Flut von Leserbriefen an die „Oberhessische Presse“ beschimpft, ihnen mangele es an „Ehrfurcht“, „Anstand“ und „Vaterlandsliebe“ – verbunden mit Aufforderungen, die Schulbehörde möge eingreifen oder die Schüler sollten doch in die „sowjetische Zone“ gehen.

Die DP war eine kleine Partei, die sich selbst deutlich rechts von der CDU positionierte und ihr Ziel darin sah, bei der nächsten Landtagswahl eine „marxistenfreie“ Landesregierung zu etablieren, d.h. die SPD von der Regierungsverantwortung in Hessen abzulösen.
In der ersten Strophe des „Deutschlandliedes“ heißt es:

„Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt,

Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt“.

Nach den Erfahrungen der deutschen Eroberungs- und Besatzungspolitik in Europa während des Zweiten Weltkriegs gilt diese Strophe seit 1952 ausdrücklich nicht mehr als Teil der Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland.

Gegen die Vorwürfe mangelnder „Ehrfurcht“ und „Vaterlandsliebe“ haben nicht nur die betroffenen Schüler selbst in Leserbriefen Stellung bezogen, sondern der damalige Direktor Dr. Wilhelm Luther hat sich im Namen der Schulleitung und des Kollegiums in einem Leserbrief ausdrücklich vor die Schüler gestellt und ihr Verhalten als Folge der „demokratischen Erziehung unserer Schule“ gerechtfertigt.
In einem Artikel für die „Chronika“ hat einer der damals beteilgten Schüler, Prof. Dr. Dietrich Krause-Vilmar, seine Erinnerungen an diesen Vorfall geschildert.